Die Mittelmeermonologe

22. September 2021

Am Sonnabend, den 18. September 2021 gastierte die Berliner Theatergruppe „Wort- und Herzschlag“ mit ihren „Mittelmeermonologen“ in der Flensburger Nikolaikirche.

Mehr als 100 Zuschauer*innen, unter ihnen Oberbürgermeisterin Simone Lange sowie Schirmherr Stefan Schmidt, erfuhren von Menschen, die den riskanten Weg über das Mittelmeer auf sich nehmen, in der Hoffnung, in Europa in Sicherheit leben zu können – von libyschen Küstenwachen, italienischen Seenotrettungsstellen und deutschen Behörden, die dies verhindern, und von Engagierten, die dem Sterben auf dem Mittelmeer etwas entgegensetzen.
Sie überzeugen als Ehrenamtliche die Küstenwachen davon, Menschen in Seenot zu retten oder lernen auf zivilen Seenotrettungsschiffen, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren – kurzum sie tun das eigentlich Selbstverständlichste: menschliches Leben zu retten!
Im Anschluss an das Theaterstück gab es Statements von Lukas Gellinger (Jugend Rettet & Sea Watch), Fabienne Brozio (Mare Liberum), Mohammad Nazir Haj Bakri (Geretteter) und Stefan Schmidt (Beauftragter Landesregierung).

Gedanken und Eindrücke einer Teilnehmerin:
"Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich habe eine intakte Familie, hatte immer ein Dach über dem Kopf, immer ein eigenes Bett, immer genug zu Essen und zu Trinken und das Wichtigste… ich musste nie fliehen. Vielleicht habe ich schon immer gewusst, dass dies ein großes Glück ist. Das Bewusstsein dafür entwickelt habe ich allerdings erst, nach den unzähligen Geschichten Geflüchteter!
Diese Geschichten sind für mich meistens schwer zu ertragen. Was erwartet mich also in den Mittelmeermonologen? Kann ich das aushalten, wo ich doch weiß, welches Leid diese Geschichten beinhalten können? Dennoch war ich neugierig und bin hingegangen.
Vier Personen auf einer Bühne, jede Person hält in einer eigenen Rolle einen Monolog. Der Geflüchtete selbst, der die Sorge der Flucht um seine kleine Familie im Rettungsboot beschreibt. Der Kapitän eines Rettungsschiffes, der beschreibt, in welchem Konflikt er sich bei der Entscheidung befindet, wenn er eigentlich sein Schiff aufgrund mehrerer Notsituationen sowohl nach links als auch nach rechts navigieren müsste, wohlwissend, da wo er nicht hinfährt, muss er Menschen ertrinken lassen. Die Koordinationsstelle, die Ansprechpatner*in sowohl für die Schiffe als auch für die Geflüchteten ist, die immer in dem Druck lebt, wie kann ich schnell helfen, um Leben zu retten. Und dann ist da noch die junge Mutter aus dem Kamerun, sicherlich beispielhaft für bestimmt viele Frauen. Sie hat mich am meisten berührt, vielleicht weil sie sehr ausdrucksstark in der Darstellung und im Ton war und ja, es mag auch daran liegen, dass auch ich eine Mutter bin. In dramatischen Umständen die Tochter vor der Beschneidung gerettet, danach keine andere Möglichkeit gesehen, als sich auf die Flucht zu begeben und dennoch ihr Kind im Mittelmeer zu verlieren zu müssen. Bei dem Gedanken schaudert es mich immer noch….
Unterstützt wurden die Darstellenden von „Wort und Herzschlag“ durch eine besondere musikalische Begleitung, die ausgesprochen professionell an den zu betonenden Stellen eingesetzt wurde.
Ja, mich hat es sehr bewegt. Trotz der Berichte über diese Schicksale, es war rundum eine sehr gelungene Veranstaltung, dafür vielen Dank an „Wort und Herzschlag“ und an alle, die es organisiert und möglich gemacht haben. Das Publikum war trotz der momentanen Umstände zahlreich und haben den Darsteller*innen entsprechend umfangreich applaudiert.
Für mich bleibt allerdings die Frage offen, wie bekommen wir es hin, diese Geschichten an Diejenigen weiterzugeben, die grundsätzlich eine andere Haltung zu Geflüchteten haben….."


Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2021 durchgeführt und als Kooperation realisiert. Beteiligt waren neben der Flensburger Flüchtlingshilfe e.V.: Das Zentrums für Mission und Ökumene - Nordkirche weltweit, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Nikolai, Flensburger Stadtpfarramt, Seebrücke Flensburg, Afghanisch-Deutscher Kulturverein Flensburg, Wir sagen MOIN und die Arbeitsstelle Flucht, Migration und Zusammenleben im Kirchenkreis Flensburg.

Fotos: Schewski-Media

Autor:

Gudrun Seelig & Johannes Ahrens

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